Pastoralinstitut Priesterseminar

Theologische Hochschule Chur

Prominenter Kritiker von Fidel Castro:

Kubanischer Kardinal zu Gast an der Theologischen Hochschule Chur

Hohen Besuch konnte Rektor Prof. Christian Cebulj vergangene Woche an der Theologischen Hochschule Chur begrüssen. Kardinal Jaime Ortega y Alamino (80), der im Frühjahr emeritierte Kardinal von Havanna/Kuba kam zusammen mit Pater Josvany Carvajal Sureda, dem Rektor des „Instituto de Estudios Eclesiásticos“ am „Centro Cultural P. Felix Varela“, Havanna und seiner Übersetzerin Dr. Helene Büchel aus Balzers (Liechtenstein) für zwei Tage zu Besuch an die THC. Der enge Vertraute von Papst Franziskus war auf der Rückreise von einem Symposion in Deutschland und machte vor der Weiterreise nach Spanien in Chur Station.

Da Ortega nach der politischen und kulturellen Öffnung Kubas demnächst die Gründung einer Theologischen Ausbildungsstätte in Havanna plant, diente der Besuch dem Erfahrungsaustausch und der Information über die Strukturen der THC. Kardinal Ortega feierte zunächst mit den Studierenden und Dozierenden der THC einen Internationalen Hochschulgottesdienst, dessen Texte Gesänge und Gebete in mehreren Sprachen gehalten waren. Beim Professoren-Kollegium der THC informierten sich Ortega und sein Begleiter P. Josvany über die Strukturen des Theologiestudiums und die Berufschancen der Absolventinnen und Absolventen. Da es in Havanna zwar bereits eine Katholische Hochschule für Human- und Sozialwissenschaften gibt, Theologie bisher aber nur im Priesterseminar gelehrt wird, erkundigten sich die kubanischen Gäste vor allem auch über die Berufschancen für Laientheologinnen und –theologen, an deren qualifizierter Ausbildung in Kuba grosses Interesse besteht.

Ortegas Kritik an Fidel Castro

Bei seinem Vortrag an der THC erzählte Ortega, der noch immer als einer der einflussreichsten Kirchenführer Lateinamerikas gilt, von interessanten Höhepunkten aus seiner 22-jährigen Amtszeit als Kardinal von Havanna (1994-2016). Unter dem jetzt verstorbenen Revolutionsführer Fidel Castro galt die Katholische Kirche als Feindin der Kubanischen Revolution. Sie war vom gesellschaftlichen Leben praktisch ausgeschlossen und als Gesprächspartnerin nicht akzeptiert. In seiner Amtszeit gelang es Ortega zwar, die Stellung der Kirche innerhalb des Landes und die Beziehungen zum Staat erheblich zu verbessern. Dennoch übte er zu verschiedenen Gelegenheiten deutliche Kritik an der Kommunistischen Partei Kubas unter Fidel Castro und später unter seinem Bruder Raúl.

Briefträger des Papstes

In die Geschichtsbücher schaffte es Ortega mit seinem inzwischen legendären Botendienst von 2014: Papst Franziskus, der seit längerem auf diplomatischem Wege versucht hatte, zwischen den USA und Kuba zu vermitteln, hatte sich 2014 entschieden, Ortega als einen seiner wichtigsten Vertrauten in Lateinamerika als päpstlichen Gesandten nach Washington zu schicken: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelangte der Erzbischof von Havanna damals ins Weiße Haus und übergab US-Präsident Barack Obama einen Brief mit der politisch brisanten Bitte, die USA mögen ihre Beziehungen zu Kuba normalisieren. Einen ähnlichen Brief hatte der Kardinal zuvor Staatspräsident Raul Castro zukommen lassen. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Das Eis zwischen den ideologischen Todfeinden brach. Heute sind beide Seiten auf dem besten Wege, ihre Beziehungen auf eine neue Basis zu stellen. Sowohl Obama als auch Castro bedankten sich ausdrücklich für die Vermittlungstätigkeit des Papstes durch Kardinal Ortega.

Obama und der Rosenkranz des Papstes

An der THC erzählte Ortega eindrucksvoll von seiner Begegnung mit Präsident Obama in der Kathedrale von Havanna: Als Obama im März 2016 auf Kuba zu Besuch war, kam er in die Sakristei der Kathedrale und erzählte von seiner Begegnung mit Papst Franziskus. Der habe ihm zusammen mit der Bitte um eine Beendigung der diplomatischen Eiszeit mit Kuba einen Rosenkranz geschenkt. Obama vertraute Kardinal Ortega anschliessend an, dass er den Rosenkranz des Papstes seitdem immer in seiner Tasche trage, weil ihn die Persönlichkeit von Papst Franziskus so beeindruckt habe.

Einladung zum Besuch auf Kuba

Kardinal Ortega verabschiedete sich bei den Studierenden und Professoren der THC mit einer Einladung zum Gegenbesuch in Havanna. Das Land und die Katholische Kirche befänden sich im Aufbruch und einer sehr hoffnungsvollen Situation. Bei allen Beteiligten hinterliess der Besuch des kubanischen Kardinals den Eindruck, mitten in Chur hautnah ein Stück Welt- und Kirchengeschichte erlebt zu haben.

Christian Cebulj

 

 

 

@ A. Lienert
@ P. Josvani Carvajal Sureda