Theologische Hochschule Chur

Internet-Zeitschrift

Sorge um eine Kultur der eucharistischen Liturgie   

Von Eva-Maria Faber

Zu: Guido Fuchs (Hrsg.): sinnenfällig. Eucharistie erleben. Regensburg: Pustet, 2003 (Konkrete Liturgie). 165 S. / CHF 26.30 ; Euro 14.90 (D); 15.40 (A) / ISBN 3-7917-1830-4.

Wer Tag für Tag und Jahr um Jahr Eucharistie feiert, wird kaum der Gefahr entkommen, dass manche Gebete, Gesten, Vollzüge gedankenlos vollzogen werden und nur mehr wenig von dem erkennen lassen, was sie eigentlich Gestalt werden lassen sollen. Eine Hilfe kann es sein, sich das von Guido Fuchs herausgegebene Buch eine Zeitlang als Begleiter zu nehmen. Es geht auf Beiträge in der Zeitschrift „Liturgie konkret“ zurück, in denen verschiedene Momente der Eucharistiefeier beleuchtet werden. Jeweils auf 3-6 Seiten werden Vollzüge wie Kyrieruf, Gebetseinladungen, Lesungen, Gabenbereitung, Hochgebet usw. in ihrem konkreten Vollzug bedacht. Es fehlt weder an Anregungen für die konkrete Gestaltung noch an dezenten Hinweisen auf etwaige Fehlformen.

Einige Beispiele mögen als Einladung zur Lektüre dienen.

Einzug
„Die Eröffnung müsste anders entworfen werden. Es müsste ausreichend Zeit sein, dass der Zelebrant und seine Begleiter ... zum Altar ziehen, vor dem Altar Gott die Ehre erweisen und in Solidarität mit der Gemeinde eine Zeitlang vor dem Altar bleiben. ... Die kurze Zeit der Ruhe vor dem Altar könnte der Gemeinde, aber auch den Liturgen selbst dazu verhelfen, jene geistliche Dimension ein wenig besser zu begreifen, die Augustinus in die Worte gefasst hat: Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Bischof“ (24).

Lesung
„Im Griechischen wird der Lektor ‚anagnostes’ genannt, wörtlich: Einer, der etwas wiedererkennt. Es zeigt, dass in früher Zeit der Lektor ein Dienst war, der eine wirkliche Fähigkeit brauchte, die nicht jedermann mitbrachte. Aber heute, da die meisten Menschen bei uns lesen können, darf der Vortrag der Lesung sich nicht auf ein ‚Wiedererkennen’ der Buchstaben und Worte beschränken. Es ist vielleicht ein wenig weit her geholt, aber man kann auch an die Bedeutung des Wörtleins ‚erkennen’ denken, mit dem im biblischen Sprachgebrauch eine sexuelle Beziehung ausgedrückt wird (z.B. Gen 19,8 oder Lk 1,34): Von einer Liebe zur Sprache, von einer Zärtlichkeit, die die Worte streichelt, sollte man etwas spüren“ (65).

Hochgebet
„Während der Doxologie hält der Priester ... den Kelch und die Hostienschale für die Gemeinde sichtbar empor und wartet darauf, dass sie diesen grossen Lobpreis nun mit einem aus vollem Herzen kommenden Amen bekräftigt. ... Ausgesprochen unhöflich, so darf man es doch wohl nennen, ist es, wenn der Priester die Gefässe zurückstellt auf den Altar, noch bevor das Amen zu Ende ist“ (102).

03.08.2010


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