Pastoralinstitut Priesterseminar

Theologische Hochschule Chur

25-jähriges Weihejubiläum von Peter Henrici und Paul Vollmar

Freudige Stimmung und Dankbarkeit wie an einem grossen Familienfest erfüllte am 31.05.2018 nachmittags das Centrum 66 in Zürich und abends den Fronleichnamsgottesdienst in der Liebfrauenkirche.

„Jubiliert und freut euch!“: In Anlehnung an das jüngste Schreiben von Papst Franziskus eröffnete Generalvikar Josef Annen die Feier zum silbernen Bischofsjubiläum und hiess Peter Henrici und Paul Vollmar herzlich willkommen. Als grosse Ehre schätzte Annen es, dass Kardinal Karl-Josef Rauber den Weg nach Zürich auf sich genommen hatte, war es doch nicht zuletzt dessen Verdienst, dass dieses Jubiläum gefeiert werden konnte.

Ernennung der Weihbischöfe: Das grosse Aufatmen
Der Generalvikar erinnerte sich gut daran, wie vor 25 Jahren ein Aufatmen durch die Diözese ging, als die Weihbischöfe ernannt wurden und als Auftrag die Befriedung der Diözese mit auf den Weg bekamen. Die grosse Frage stand im Raum, wie ein Philosophieprofessor und ein Rektor der Katholischen Schulen Zürich sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut machen würden. Schnell war klar: Peter Henrici nahm die vorgegebene Realität als Ausgangspunkt für all seine Reflexionen und setzte der Pastoral Impulse, für Paul Vollmar stand das Entfalten der Charismen unter den Gläubigen im Vordergrund, weil er Kirche als Ereignis des Geistes verstand.

Unvergessliche Verdienste in Ökumene und „Geh-Hin-Kirche“
In seiner Laudatio erinnerte René Zihlmann, der ehemalige Präsident der Zentralkommission (heute: Synodalrat), an wesentliche Eckpunkte des ganzen Wirkens der beiden Jubilare – angefangen von der überraschenden Berufung durch Papst Johannes Paul II. bis hin zu den zahlreichen Impulsen, die sie mit ihrem segensreichen Wirken gesetzt hatten: «Mit der Bischofsernennung von Peter und Paul sind zu einer grossen gemeinsamen Aufgabe zwei Biografien und zwei Persönlichkeiten zusammengekommen, die der Katholischen Kirche in der Schweiz, im Bistum Chur und insbesondere in Zürich sehr viel gebracht haben.»

„Viele meinten, es sei ein ganz grosses Opfer gewesen, von Rom nach Zürich zu kommen. Aber es war eigentlich gar nicht so schlimm. Und im Lauf der Jahre ist meine Begeisterung für das schweizerische Kirchensystem ständig gewachsen.“ (Weihbischof Peter Henrici).

Theologische Hochschule verdankt heutige akademische Qualität Henrici
Die Churer Theologieprofessorin Eva-Maria Faber überbrachte Glückwünsche und Dank von der Theologischen Hochschule Chur. „Wer sich fragt“, so Faber, „wozu es gut ist, dass ein akademisch brillanter Philosophieprofessor als „blosser“ Bischof endet, findet hier vielleicht einen kleinen Trost: Die reiche akademische Erfahrung hat der Weihbischof in der Expertenkommission segensreich eingebracht“ und wies darauf hin, dass die akademische Qualität der heutigen Hochschule einem entschiedenen Votum von Henrici zu verdanken sei.


Fronleichnamsgottesdienst mit Prozession

Einen besonders feierlichen Moment bildete der Gottesdienst zum Fronleichnamsfest, der in der vollbesetzten Liebfrauenkirche zusammen mit der Pfarrei begangen wurde und in einer kleinen Prozession um die Kirche ausklang. In seiner Predigt sagte Weihbischof Henrici: „Das, was in diesen 25 Bischofsjahren von Paul Vollmar und mir verborgen blieb vor Gott – und vielleicht auch für Zürich – ist wichtiger als das, was davon sichtbar wurde. Möge es Früchte tragen für die christliche Zukunft unserer Stadt.“

(vgl. www.zhkath.ch/news/grosse-ehre-fuer-weihbischoefe-peter-henrici-und-paul-vollmar)

Fotos: Arnold Landtwing

Dr. Aladár Gajáry wurde am 28. Februar 1929 im ungarischen Kapuvár geboren und verbrachte dort seine Schulzeit. 1947-56 absolvierte er an der Universität Gregoriana in Rom seine philosophischen und theologischen Studien. Er studierte ausserdem als Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung in Mainz und München. 1953 erfolgte in Rom die Priesterweihe, 1958 das theologische Doktorat zum Thema „Die dogmatischen und aszetischen Grundlagen der Jungfräulichkeit in der Problematik von heute“. Weil Aladár Gajáry nach dem Doktorat nicht in sein ungarisches Heimatbistum Stuhlweissenburg (Székesfehérvar) zurückkehren konnte, ernannte man ihn, als Nachfolger des Jesuiten P. Peter Gumpel, in den Jahren 1958-1964 zum Repetitor für Theologie am Päpstlichen Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom.
Im Jahr 1964 wurde Aladár Gajáry unter Bischof Johannes Vonderach als Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an das Priesterseminar St. Luzi nach Chur berufen. Diese Aufgabe versah er volle 36 Jahre lang, bis er mit dem Ende des Studienjahrs 1999/2000 emeritiert wurde. Seinen Ruhestand verbrachte er 14 Jahre lang im Priesterseminar St. Luzi. Die letzten Lebensjahre wohnte er im Alters- und Pflegeheim Loëgarten in Chur. Dort verstarb er am 29. März 2018. Das Kollegium und die Studierenden der Theologischen Hochschule Chur haben sich im Rahmen eines Gedenkgottesdienst vom Verstorbenen verabschiedet. Die Urnenbeisetzung findet am 24. April in seiner ungarischen Heimat statt.

Prof. Dr. Christian Cebulj (Rektor)

 

Todesanzeige Prof. em. Dr. Aladár Gajáry

50 Jahre Theologie mit Weitblick

Kaum ist das Reformationsjahr 2017 mit seinen zahlreichen Feierlichkeiten verklungen, steht das Jahr 2018 mit diversen Erinnerungsanlässen ins Haus. Schon jetzt soll an ein Jubiläum erinnert werden, das indirekt mit den Reformbewegungen der 1968er-Jahren zusammenhängt und seinerzeit für die Kirche Schweiz einen Meilenstein bedeutete: Die Gründung der Theologischen Hochschule Chur (THC) vor 50 Jahren. Sie wird im Oktober im Rahmen einer Jubiläumswoche (22.10.-27.10.2018) feierlich begangen.

Das Konzil war die 68er-Bewegung der Kirche
Das 50-jährige Jubiläum der THC steht zwar nur indirekt mit den Studentenrevolten der 68er-Jahre in Beziehung, denn es wäre verfehlt zu sagen, die Kirche habe im Fokus der 68er gestanden. Aber im Grunde war das Konzil die 68er-Bewegung der Kirche, weil die Katholische Kirche durch die Einberufung des Zweiten Vatikanums (1962-1965) unter Papst Johannes XXIII. manche Tendenzen der gesellschaftlichen Reformen der 68er-Jahre vorweggenommen hat. Den „Muff von 1000 Jahren“ und die alten Talare hatte die Katholische Kirche mit der Liturgiereform des Konzils bereits abgeschafft. Auch in der Schweizer Kirche löste das Konzil eine Aufbruchstimmung aus, die auf vielen Ebenen von der Frage geprägt war, wie die Konzilstheologie in den verschiedenen Lebensvollzügen der Kirche umgesetzt werden sollte.

Die Errichtung der THC im Februar 1968
In Chur zeigte sich diese Aufbruchstimmung sehr konkret in hohen Studierendenzahlen, die zunächst Baumassnahmen notwendig machten: So wurde als Erweiterung des Priesterseminars St. Luzi von 1963-1965 ein Neubau mit Hochschultrakt samt Aula und Hörsälen errichtet, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Im Churer Lehrbetrieb vor der Gründung waren so bekannte Theologen wie der Moraltheologe Prof. Franz Böckle (1953-1963) und der Dogmatiker Prof. Johannes Feiner (1938-1965) prägend.
Die Gründung der THC ist eng mit den Personen von Prof. Alois Sustar und Prof. Josef Pfammatter verbunden. Der gebürtige Slowene Sustar war sowohl Regens des Priesterseminars (1965-1968), Professor für Moraltheologie (1963-1968) und während nur vier Monaten erster Rektor der THC (1968). In seiner Amtszeit verlieh die Römische Studienkongregation am 22. Februar 1968 per Dekret dem 1807 gegründeten Priesterseminar St. Luzi den Titel Institutum superius theologicorum studiorum. Damit wurde das Seminar in Chur zur Theologischen Hochschule erhoben, die ab dem 7. März 1968, dem Fest des Hl. Thomas von Aquin, das Recht erhielt, kirchlich anerkannte Diplome auszustellen. Der Neutestamentler Josef Pfammatter folgte Sustar im Juli 1968 und blieb als Gründungsrektor die prägende Gestalt des Anfangs (1968-1970). Bis heute gilt der Wunsch, mit dem Kardinal Gabriel-Marie Garrone, der Vorsteher der Römischen Studienkongregation, sein Begleitschreiben zum Dekret von 1968 beschliesst: „In aevum vivat, crescat, floreat!“

50 Jahre Theologie mit Weitblick
Seit der Gründung der THC haben zwei Generationen von Theologinnen und Theologen ihr Studium in Chur absolviert. Sie sind heute als Priester, Pastoralassistentinnen, Pastoralassistenten und Diakone in allen Seelsorgebereichen der Deutschschweizer Bistümer tätig und prägen das Gesicht der Deutschschweizer Kirche. Alle Ehemaligen und die interessierte Öffentlichkeit werden Ende Oktober zur Jubiläumswoche nach Chur eingeladen, um zu zeigen, dass die THC auch 50 Jahre nach ihrer Gründung noch immer versucht, Theologie mit Weitblick zu treiben. Also bitte vormerken: Jubiläumswoche 50 Jahre THC vom 22.10. bis 27.10.2018 in Chur,

Alle weiteren Infos zum Programm der Jubiläumswoche folgen demnächst.

50 Seelsorgerinnen und Seelsorger aus allen Deutschschweizer Bistümern waren am Donnerstag, den 15.02.2018 der Einladung des Pastoralinstituts (PI) der Theologischen Hochschule Chur ins Centrum 66 nach Zürich gefolgt. Die Jahrestagung des PI stand unter dem Motto „Welche Kirche tut Familien gut?“ und beleuchtete mit Impulsen und Workshops die aktuellen Herausforderungen der Familienpastoral.

Eröffnet wurde die Jahrestagung von der geschäftsführenden Leiterin des PI, Prof. Birgit Jeggle-Merz. Sie zitierte eingangs Luis Antonio Tagle, den Kardinal von Manila und Präsident der Bischofssynoden 2014 und 2015, der einmal gesagt hatte: «Die Familien sind nicht dazu da, der Kirche zu gefallen. Sondern die Kirche ist für die Familien da». Im Anschluss an Tagle wies sie auf das Phänomen hin, dass jede Familie sichtbare und unsichtbare Wunden habe und es die Aufgabe der Kirche, diese Wunden zu heilen, statt Schuld für die Verletzungen zuzuweisen.
Die Jahrestagung wurde charmant moderiert von Mary-Claude Lottenbach (Pastoralassistentin in Schwyz) und Andreas Berlinger (Pastoralassistent in Richterswil), die zunächst das Referenten-Tandem Thomas Binotto (Zürich) und Christoph Wick (St. Gallen) vorstellten.

Anhand von Ausschnitten der netflix-Sitcom „modern family“ nahm der Theologe und Filmjournalist Thomas Binotto die Teilnehmenden mit in den „ganz normalen Wahnsinn“ filmischer Familiensituationen. Es gelang ihm auf spannende und humorvolle Weise zu zeigen, welches die kontinuierlichen Elemente im Serienformat einer Sitcom sind. In vielen Szenen, die das Publikum im Saal übrigens mit schallendem Lachen beantwortete, zeigte sich, wie eine Sitcom den Zuschauerinnen und Zuschauer durch Übertreibung einen Spiegel für die eigene Familien-Erfahrung vorhält. Christoph Wick kommentierte die Szenen sehr gekonnt aus seiner der Erfahrung bei der Kinder- und Jugendhilfe St. Gallen, die im anschliessenden Erzählcafé nochmals reflektiert wurden.

Acht verschiedene Workshops vertieften am Nachmittag die zahlreichen im Film angeschnittenen Familien-Themen: Religionspädagogin Melanie Wakefield (Zürich) erläuterte, was sich hinter dem Konzept der „Intergenerationellen Katechese“ verbirgt, der Religionspädagoge Christian Cebulj (Chur) zeigte die Chancen und Grenzen der „Familienbiografischen Katechese“ auf. Madeleine Winterhalter-Häuptle und Matthias Koller-Filliger (St. Gallen) berichteten von ihren Erfahrungen in der Fachstelle Partnerschaft-Ehe-Familie, die Neutestamentlerin Hildegard Scherer (Chur) bot einen Querschnitt durch Familienbilder in der Bibel. Die Kirchenmusikerin Ruth Mory-Wigger (Engelberg) und die Liturgiewissenschaftlerin Birgit Jeggle-Merz (Chur) boten Möglichkeiten der Gestaltung von Familiengottesdiensten an. in einem weiteren Workshop las die Journalistin Christian Caprez (Zürich) aus ihrem Buch „Familienbande“, begleitet vom Pastoraltheologen Manfred Belok (Chur). Der Bündner Ständerat Stefan Engler fragte nach politischen Möglichkeiten, wie Familien gestärkt werden können. Auch die geistl. Gemeinschaft Chemin-Neuf bot einen Workshop an und lud zu Familienangeboten ins Kloster Bethanien OW ein.

Die Jahrestagung 2018 des Pastoralinstituts der THC machte auf allen Ebenen deutlich, wie wichtig die Familien als Lernorte des Glaubens sind. „Familienorientierung“ heisst daher ein entscheidendes Stichwort für alle Seelsorgenden, das pastorales Handeln in Pfarreien und Bistümern künftig noch stärker prägen muss. Eine mögliche Antwort auf die Tagungsfrage „Welche Kirche tut Familien gut?“ lautet: Eine Kirche, die Familien unterstützt und wohltuende Beziehungen ermöglicht. Dann wäre Kirche ganz bei ihrer Ursprungsaufgabe, denn Glaube wird personal übertragen. Es geht also nicht um eine Vergötterung der Familie, sondern um das Ernstnehmen ihres Alltags mit all seinen Chancen und Begrenztheiten. Vielleicht zeigt sich gerade darin am ehesten, wie sehr die Menschenfreundlichkeit Gottes Familien gut tun kann.

Im Rahmen des Forschungs- und Publikationsprojekts LuBiLiKOM (Luzerner Biblisch-Liturgischer Kommentar zum Ordo Missae) ist eine neue Publikation erschienen. Das Projekt LuBiLiKOM hat es sich zur Aufgabe gemacht, den biblischen Bezüge der feststehenden liturgischen Formeln im Ablauf der Messfeier auf die Spur zu kommen, sie zu analysieren und zu kommentieren.

Im November 2017 hat Birgit Jeggle-Merz, Professorin für Liturgiewissenschaft an der THC und an der Universität Luzern, zusammen mit Prof. em. Walter Kirchschläger (Luzern) und Jörg MÜller (Luzern) einen neuen Band zum Projekt vorgelegt, der die Ergebnisse einer breiten Leserschaft zur Verfügung stellt.

Jeggle-Merz, Birgit/Kirchschläger, Walter/Müller Jörg:
Mit der Bibel die Messe verstehen, Band 2: Die Feier der Eucharistie
Stuttgart: Verlag Kath. Bibelwerk
208 S., 14,95 €
ISBN: 978-3-460-33139-6

In zwei Bänden erschliessen die Autorin und die Autoren den vielen in der Liturgie engagierten Christinnen und Christen die biblischen Quellen der Liturgie und eröffnen Zugänge zur Bedeutungsfülle des liturgischen Geschehens in der Eucharistiefeier. Der 2015 erschienene Bd. 1 widmet sich der Eröffnung und der Wortliturgie. Der jetzt neu erschienene Bd. 2 thematisiert den eucharistischen Teil der Messfeier mit dem Eucharistischen Hochgebet, der Kommunionfeier und der Entlassung.

Die Frage nach Gott – ob es einen Gott gibt und was wir über Gott aussagen können – ist die entscheidende Frage in der Theologie. Der Kirchenhistoriker Albert Gasser, Honorarprofessor der THC und bekannt durch seine «Spaziergänge durch die Kirchengeschichte», ist überzeugt, dass der Glaube an Gott weder Naivität noch Denkfaulheit ist. Am ehesten ist er vergleichbar mit dem Phänomen Liebe – Glaube als Entscheidung und Beziehung. In immer wieder überraschenden Durchgängen durch die Kirchengeschichte präsentierte Albert Gasser bei seinem Vortrag am 07. Dezember 2017 an der Theologischen Hochschule Chur die Darstellung der Gottesfrage bei verschiedenen Denkern wie Anselm von Canterbury, Immanuel Kant oder Elie Wiesel.

Artikel von Claudio Willi im Bündner Tagblatt vom 11.12.2017: 2017-12-11_Buendner_Tagblatt_Seite_6

Exkursion in die facettenreiche Stadt Paris

Mitte Oktober hat sich eine Gruppe Studierende zusammen mit den beiden THC-Bibelwissenschaftlern Prof. Dr. Michael Fieger und PD Dr. Hildegard Scherer auf den Weg nach Paris gemacht. Ihr Ziel war der Louvre und die dortige Ausstellung der Altertümer aus dem Nahen Osten, aus Griechenland und der Zeit des Römischen Reiches.

Zu Beginn des Rundgangs führte Michael Fieger an die ältesten Exponate der Ausstellung heran: mit Keilschrift behauene Tontafel aus Ugarit (Ras Shamra), die zum Teil aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. stammen. Diese eindrücklichen Zeugen der sich formierenden Schrift standen neben zahlreichen Baalsfiguren und Rollsiegeln und weiteren Exponaten aus dem Alltag der Menschen dieser Zeit. Angesehen wurde auch die Dioritstele mit dem Codex Hammurapi aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. Diese ausführliche Gesetzestafel in altbabylonischer Keilschrift steht als eindrückliche 2.25 Meter hohe Stele mitten im Raum, was den Blick auf die komplette Beschriftung frei macht. Ausführlich angesehen wurde auch die etwas jüngere Mescha-Stele (Moabitischer Stein) aus dem 9. Jahrhundert v. Chr, die als einer der ersten ausserbiblischen Belege für die Existenz Israels gilt. Sie trägt eine der frühesten expliziten Nennungen JHWH`s.

Abgeschlossen wurde dieser erste Museumsteil mit dem Blick auf monumentale Bauwerke aus Babylonischer Zeit. Nach einer kurzen Pause führte Hildegard Scherer über die Betrachtung antiker Statuen an die griechische und römische Welt und ihre Werte heran. In kurzen Sequenzen der Betrachtung verschiedener Kunstwerke erläuterte sie die frühen Idealtypen der griechischen Antike bis hin zu den individualisierten Vorstellungen des römischen Imperiums. Sie sensibilisierte für die Verbindungen zur christlichen Kunst und die Kontinuität antiker Motive, auch in der christlichen Ikonographie. Auch der Blick auf erlesene Einzelstücke war möglich, wie z.B. auf den „Betenden“, die Venus von Milo oder auch auf die frühe Ikone aus dem 8. Jahrhundert n. Chr „Christus und Vater Mena“ aus dem koptisch-orthodoxen Bawit Kloster. Selbst ein Blick auf die berühmteste Bewohnerin des Louvre, die Mona Lisa, liessen sich viele nicht nehmen.

Nicht allein diese Fülle an Kunstwerken fiel bei dieser Exkursion ins Auge. Auf ausgiebigen, individuellen Erkundungstouren bei allerschönstem Herbstwetter konnte die Stadt nach persönlichem Gusto durchstreift werden. Die Highlights der Stadtbesichtigung – sei es zu Fuss, mit dem Boot oder mit der Metro – die sich nur wenige entgehen liessen, waren die Kathedrale Notre-Dame, der Triumphbogen, der Place St. Michel im Quartier Latin und vieles mehr. In den belebten Strassen und Bistros liess es sich bestens ausspannen und den Moment geniessen. Alle, die mitgefahren waren, wurden von der Stadt Paris, die sich an diesem Wochenende von ihrer schönsten Seite zeigte, sehr gastfreundlich aufgenommen.

Schliesslich versammelten sich am Abend alle wieder auf dem Hügel bei der imposanten Kirche Sacré Coeur. Nach einem ausgiebigen Blick von der Aussichtsplattform und einem ersten Eintauchen in die ausgelassene Feststimmung rund um die Kirche, traf man sich mit dem Priester der Kirche, Dominic Schubert, ein guter Bekannter von Prof. Fieger. Die beiden Priester feierten mit der Studentengruppe eine Vorabendmesse in der eindrücklichen Krypta der Kirche Sacré Coeur. Dominic Schubert liess es sich im Anschluss nicht nehmen durch die Kirche und das lebendige Quartier Montmartre zu führen. Abgeschlossen wurde der Tag bei einem gemeinsamen Abendessen in einem Bistro beim Montmartre.

Bericht: Brigitta Schmid

Am Dienstag, den 24.10.2017, fand an der Theologischen Hochschule Chur der Dies Academicus des Studienjahres 2017/1018 statt. Im Mittelpunkt stand der Festvortrag von Prof. Pierre Bühler von der Universität Zürich zum Thema: «Die beste Gabe der Schöpfung ist ein heiteres und fröhliches Gemüt» (Martin Luther) – Humor und Theologie».

Anlass dafür war auch das Reformationsjahr, so dass der Referent nicht zuletzt humoristische, gleichwohl sehr nachdenkliche Anregungen für mutige Formen der Ökumene gab. Gemeint war eine Ökumene, die sich nicht mit dem Zurückschauen und Sichern begnügt, sondern zugleich nach vorn blickt – etwa um das Ziel einer wechselseitigen eucharistischen Gastfreundschaft möglichst bald zu erreichen. Mit zahlreichen Illustrationen und fachlichen Hinweisen konnte der Festredner einerseits das Auditorium spielend zum Lachen bringen, andererseits die tiefe Verbindung zwischen theologischer Reflexion und einer in Humor und Gelassenheit gründenden Existenz bewusst machen.

Zuvor hatte der Rektor der Hochschule, Prof. Christian Cebulj, die zahlreich anwesenden Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft willkommen geheissen und auf den bedeutsamen Anlass eingestimmt. Neben wichtigen Hinweisen auf die Entwicklungen im Hochschul- und Forschungsbetrieb betonte er die Ausrichtung der Hochschule an einer pluralitätsfähigen Theologie, die sich mittels Dialog und Realitätssinn bewahrheitet. Dabei verwies er eindrücklich auf die Grundintentionen des Zweiten Vatikanischen Konzils und deren aktuelle lehramtliche Deutung durch Papst Franziskus.

Ein letzter Höhepunkt vor dem gemeinsamen Apéro war die Verleihung des diesjährigen Churer Maturapreises für Religion und Ethik. Die mehrköpfige Jury der THC wählte aus den Einsendungen drei in Inhalt und Form herausragende Arbeiten: Der 1. Preis über 500,– SFr. ging an Leonardo da Riz (Kantonschule Wil) für seine Darstellung der innerislamischen Kritik des IS. Den 2. Preis über 300,– SFr. erhielt Melissa Helm (Kantonschule Stadelhofen) für ihre ethische Reflexion der Schweizer Tierschutzgesetze. Den 3. Preis über 200,– SFr. nahm Robin Henseler (Kantonsschule Seetal) für seine Arbeit über die Bedeutung von Wegkreuzen in der Kirchgemeinde Hitzkirch entgegen. Ein grosser Dank wurde den Sponsoren der Preisgelder, dem Generalvikariat der Kantone Zürich und Glarus sowie der Vereinigung des Katholischen Buchhandels in der Schweiz, ausgesprochen.

Vgl. auch den Beitrag im Bündner Tagblatt vom 26.10.2017: 2017-10-26_BT_9

Dr. Albert Fischer, Archivar des Bistums Chur und Dozent für Kirchengeschichte an der Theologischen Hochschule Chur, konnte kürzlich eine neue Publikation präsentieren:

Das Bistum Chur
Band 1: Seine Geschichte von den Anfängen bis 1816
448 Seiten, mit 252 Abbildungen
Universitätsverlag Konstanz-München 2017
Preis: 49.– Euro
ISBN 978-3-86764-807-3

Albert Fischer zeigt im vorliegenden Band 1 seiner zweibändigen Bistumsgeschichte die wechselvollen Zeiten des vermutlich Ende 4./Anfang 5. Jh. von Mailand aus gegründeten Kirchensprengels Chur auf, welcher ab 843 bis zu Beginn des 19. Jh. zur Kirchenprovinz Mainz gehörte. Reich bebildert bietet das Buch einer historisch interessierten Leserschaft profunde und detaillierte Informationen, übersichtlich dargestellt. Wir gratulieren unserem Kollegen Dr. Albert Fischer zu seiner kenntnisreich verfassten und gut lesbar geschriebenen Bistumsgeschichte. Die Publikation des 2. Bandes «Seine Geschichte von 1816/19 bis zur Gegenwart» ist für 2019 geplant.

Flyer_Fischer_Das_Bistum-Chur

Die Theologische Hochschule Chur und die Pädagogische Hochschule Graubünden suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n

Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Wissenschaftlicher Mitarbeiter (50 %)

am Forschungsprojekt: Religion und Mehrsprachigkeit –
Eine empirische Untersuchung zu religiösen Lernprozessen im mehrsprachigen Sachfachunterricht.

Anforderungen

  • Masterabschluss in Theologie
  • Unterrichtserfahrung in den Fächern Religion bzw. Religionskunde und Ethik
  • Kenntnis einer zweiten Kantonssprache neben Deutsch erwünscht
  • Erfahrung mit empirischen Forschungsmethoden

Aufgaben

  • Mitarbeit am Forschungsprojekt „Religion und Mehrsprachigkeit“
  • Möglichkeit zum Erwerb des Doktorats (Dr. theol.)
  • Pensum 50%, Möglichkeit zur Mitarbeit in Lehre und Weiterbildung der PHGR

Angebot

  • Laufzeit 3 Jahre
  • Optimales Betreuungsverhältnis
  • Anstellung nach Vereinbarung
  • Entlohnung nach SNF-Tarif

Kontakt

Ihre Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte bis spätestens 30.11.2017 an: Prof. Dr. Christian Cebulj, Lehrstuhl für Religionspädagogik, Theologische Hochschule Chur, Alte Schanfiggerstr. 7, 7000 Chur, christian.cebulj@thchur.ch

Vgl. Stellenausschreibung:

religion-und-mehrsprachigkeit-wma-6